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Unsere abenteuerliche Wanderung auf die Weißalm in Salzburg: Von Kühen, die ihren Lieblingsbaum verteidigen, Gewitter auf 1724 Metern Seehöhe und warum es sich lohnt einen riesigen Rucksack 1,5 Stunden lang bergauf zu tragen.

Entspannen und mal so richtig abschalten, wo könnte das besser gelingen als auf einer Alm? Wir haben das Abenteuer Wandern und Almurlaub getestet. Daumen hoch für die viele Action auf der Weißalm.

Das brauchst du für dein Alm-Abenteuer:

  • Rucksack mit Umziehsachen (Je mehr desto besser 🙂 )
  • Wasser, Müsliriegel
  • Pflaster, Sonnenschutz
  • Wasserabweisende Kleidung
  • Gute Schuhe
  • Deine Zahnbürste
  • Wenig Geld 🙂
  • Einen Freund oder eine Freundin

Für wen ist dieses Abenteuer geeignet?

Ganz einfach: Für alle, die nicht extrem viel Komfort brauchen, gerne an der frischen Luft sind und keine Angst vor Kühen haben. Das Aufwachen auf einer Alm ist ein tolles Erlebnis 🙂

Und natürlich für alle, die wenig Geld ausgeben wollen und mal was ganz Neues erleben möchten. Eine Übernachtung mit Frühstück kostet für zwei Personen 40 Euro.

Perfektes Wanderwetter: Kein Sonnenschein, kein Regen, nur ein paar Wolken

Parkplatz gefunden, Auto abgestellt. Mit dem größten und vollgestopftesten Rucksack, den ich bisher gesehen habe, geht das Abenteuer los. Natürlich bleibt der Regenschirm im Auto. Aber naja, der hätte uns auch nicht mehr geholfen. Dazu aber später mehr 🙂

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1,5 Stunden geht es jetzt entlang von Blumenwiesen und riesigen Bäumen ordentlich bergauf. So wie ich es mag: Ein kleiner Trampelpfad, auf dem man hintereinander gehen muss. Einfach traumhaft diese Ruhe. Alles was man hört, sind die Vögel, das Rascheln der Blätter, ein paar Kuhglocken in der Ferne und das eigene Schnaufen 😀

Den Weg kann man sicher in 1 Stunde zurücklegen. Aber wie oft kann man schon so eine große Ladung Natur genießen? Das heißt: Alle paar Schritte stehen bleiben und Fotos machen.

Vor allem von den vielen tollen Blumen. Orange, gelbe, blaue, weiße Blüten… Einige davon hab ich noch nie gesehen. Ich fühl mich wie Heidi auf der Alm.

Schritt für Schritt geht’s Richtung Weißalm. Am Wegrand und auch quer über den Weg fließen immer wieder kleine Bäche. Auf Steinen kann man aber toll übers Wasser balancieren. Das viele Squat-Training hat sich übrigens ausgezahlt. Meine Oberschenkel-Muskeln machen auch an den steilen Abschnitten des Wanderwegs nicht schlapp.

Hallo Sonnenschein

Auf der halben Strecke ist sie dann plötzlich und ganz ohne Vorwarnung da: Die Sonne. Ganz schön warm.

Was uns zu heiß ist, lieben die Kühe über alles. Sie kriechen aus ihren schattigen Plätzen, damit die Sonne auf ihren Rücken lachen kann. Sie scheinen das richtig zu genießen. So als ob sie schon lange keine Sonne mehr gesehen hätten. Der Himmel ist zwar noch bewölkt, die Sonne kämpft sich aber durch. Da werden die Kühe wohl noch länger in der Sonne entspannen können.

Die Kühe chillen und uns ist schön warm. Naja, nicht so schlimm, jetzt müssten wir es sowieso gleich geschafft haben. Und tatsächlich – eine viertel Stunde später ist die Weißalm Hütte in der Ferne zu sehen.

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Wir sind jetzt auf 1724 Metern Seehöhe. Der Blick ins Tal ist der pure Wahnsinn. Die wenigen Häuser, die man erkennen kann, sehen aus wie kleine Punkte. Dafür gibt es auf den Wiesen rechts und links von uns alle Grüntöne, die man sich vorstellen kann.

Mit jedem Schritt wird die Hütte größer. Sie sieht genau so aus wie man sich eine Almhütte vorstellt: Das Dach und die Fassade sind mit Holzschindeln gedeckt, rundherum sind Wiesen und ganz viele Blumen. Einige der Holzbalken dürften schon viele Jahre auf dem Buckel haben.

Endlich auf der Weißalm Hütte angekommen, gibt’s mal eine herzliche Begrüßung von Gerald Hettenberger, dem Hüttenchef 🙂 Er erzählt uns, dass die Hütte um 1860 erbaut wurde.

Nach einer langen Wanderung schmeckt’s am besten

Schnell zur nächsten Bank. Mmmhhh sitzen kann so entspannend sein. Kennst du das Gefühl, wenn eine Fußsohlen nach einem langen Marsch schmerzen? Genau so ging es mir. Zur Stärkung und als Entschädigung für die Strapazen gibt’s einen selbstgemachten Hollersaft und einen Kuchen 🙂

Mein Tipp: Ihr müsst unbedingt den selbstgemachten Sauerkäse und den Fichtenhonig kosten!

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Hinterm Haus sind zwei Murmeltiere in einem großen Gehege untergebracht. Wer entspannen möchte, sollte sie kurz beobachten – der Blick der beiden ist ansteckend 🙂

Es ist gerade erst 12 Uhr, die Wolken hängen wieder tief. Kein Internet – auch ok. Den restlichen Tag hier sitzen und ins Tal schauen? Hmm schön, aber irgendwie auch langweilig. Zum Glück gibt’s hier tausende Wanderwege, die erkundet werden wollen.

Auf zu neuen Hütten

Den Rucksack tragen wir schnell ins Zimmer und dann nichts wie los. Die nächste Hütte ist nur 20 Minuten entfernt. Eine Tasse Kakao ruft schon meinen Namen, ich kann’s deutlich hören. Der sehr schmale Weg führt direkt vorbei an Kühen. Mit 3 Meter Abstand und ohne Zaun gehen sie an uns vorbei. Völlig entspannt. Es scheint sie nicht zu stören, dass wir an ihnen vorbei wandern.

Bei der Hütte angekommen, beginnt sich das Wetter schlagartig zu verschlechtern. Nebel zieht auf. Es wird dunkler. Zeit schnell zurück zu gehen. Nach den ersten 5 Minuten wird’s richtig unheimlich. Kein Vogelgezwitscher, keine Kuhglocken, kein Gemuhe. Dafür gibt’s sehr viel Nebel. 5 Meter sieht man nach vorne, danach starrt man in eine Nebelwand.

Der erste Regentropfen landet auf meiner Nasenspitze

Zwei Schritte weiter ein Tropfen. Der erste auf der Nase, der nächste auf meiner Hand. Jetzt ist es vorbei mit der Ruhe: Wie im Fernsehen beginnt es wie aus Eimern zu schütten. Weit und breit nur ein großer Baum, der sich als Unterschlupf eignet. Wir laufen. Das Wasser rinnt von oben in meinen Schuh und bei jedem Schritt wird’s auch von unten und den Seiten und einfach überall in den Schuh gedrückt. In meinem Schuh muss schon ein ganzer See sein.

Der Baum hat so viele Nadeln und Äste, dass es sich gut aushalten lässt. Kaum ein Tropfen schafft es bis zum Boden. Es ist eiskalt auf der Weißalm.

Aus dem Nebel tauchen auf einmal 2 Augen auf, dann 4 und plötzlich 6. Anscheinend haben die Kühe den selben Plan wie wir. In 5 Metern Entfernung bleiben sie stehen. Sie starren uns an. Wir starren sie an. Keiner weiß, was der andere als nächstes machen wird. Plötzlich traben sie los. Gerade auf uns zu. Sehr zielstrebige Tiere. Stehen bleiben oder in den Regen? Die Kuhglocken werden immer lauter. Die Entscheidung fällt schwer.

Lauf um dein Leben

Lauf! Schreit mein Freund. Und wir rennen los. Leider versperren die Kühe den Weg – das heißt: Rauf auf den Hügel. Sehr angenehm, wenn man vor lauter Regen wenig sieht und dann bei jedem Schritt im kalten Matsch versinkt. Der Weg zurück zur Weißalm scheint nicht enden zu wollen. Wir entdecken einen neuen und von Kühen nicht belagerten Baum. Aber das ist jetzt auch schon egal. Wir sind ja schon durch und durch nass.

Es schüttet. Es ist kalt und irgendwie wäre ich jetzt doch lieber in einem Wellnesshotel.

Aber dann hätte ich ja Nichts zu erzählen 🙂

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Na endlich: Noch ein paar Schritte zur Hütte. Die Hose, die Jacke, die Haare – alles klebt vor lauter Nässe. Hab ich schon gesagt, dass es eiskalt ist? Zum Glück haben wir 1,5 Stunden lang einen riesigen Rucksack auf die Weißalm mitgeschleppt. Da passt meine Einstellung wieder mal bestens: Lieber zu viel mitschleppen, als zu wenig 🙂

Traumhaft wie schön so eine warme Dusche sein kann. Die Finger und Zehen tauen wieder auf und beginnen zu kribbeln. Ein schönes Gefühl. Umgezogen und halbwegs aufgewärmt, suchen wir uns einen Platz an dem wir die Kleidung trocknen können. Mal sehen, ob es draußen eine überdachte Möglichkeit gibt.

Hallo Sonnenschein 2.0

So schnell wie die Sonne verschwunden ist, so schnell ist sie auch wieder hier. Sie lacht vom Himmel als sei nichts gewesen. Das Einzige was an den Schauer erinnert, sind die vielen Pfützen.

Wir sehen das positiv: Jetzt können wir uns an der Sonne wärmen und eine Almjause genießen. Übrigens mit hausgemachtem Speck, Salami, Butter und Käse. Mahlzeit 🙂

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Die Sachen kommen zum Trocknen an die Hauswand. Funktioniert mehr oder weniger gut.

Um 23 Uhr beginnt es wieder zu gewittern. Blitze erhellen den Himmel und gleich darauf folgt der lauteste Donner, den ich je gehört habe. Mit schlafen ist also nicht viel.

Auch am Morgen regnet es. Es hat sicher um 15° abgekühlt. Man kann den Atem in der Luft sehen, so kalt ist es. Jetzt weiß ich auch, warum die Kühe am Vortag jeden Sonnenstrahl einfangen wollten.

Es ist noch eine zweite Wandergruppe hier. Sie sagen dem Regen den Kampf an und machen sich auf zur nächsten Alm. Ihr hättet mal die Begeisterung im Gesicht der Tochter sehen sollen 😀

Gerald Hettenberger nimmt uns mit seinem Auto mit ins Tal. Bei seinem Bauernhof steigen wir aus und gehen die letzten 15 Minuten zu Fuß zum Auto.

Müde aber glücklich müssen wir noch durch einen 10 cm tiefen und 4 Meter breiten Bach stapfen. An der Stelle des Bachs ist normalerweise die Straße. Da gibt’s also keinen Umweg. Augen zu und schnell den ersten Schritt machen. Das eiskalte Wasser rinnt von allen Seiten in den Schuh.

Ein Wahnsinn wie schnell man plötzlich munter werden kann 🙂

Unser Fazit zum Abenteuer Weißalm:

Wer ein paar Stunden vollkommene Ruhe und eine gute Jause genießen möchte, ist auf der Weißalm genau richtig. Der Ausblick ist wahnsinnig schön und das Übernachten auf einer Alm mal ganz was anderes.

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Vor Kühen oder Murmeltieren dürft ihr keine Angst haben. Es ist ein ganz altes Haus, übermäßigen Komfort dürft ihr also nicht erwarten.

Ihr solltet unbedingt die selbstgemachten Marmeladen, Käse und Fleisch kosten. Und natürlich ein wenig die Murmeltiere beobachten – das ist sehr entspannend!

Mein Tipp: Unbedingt genügend Kleidung zum Wechseln mitnehmen 🙂