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Digital Detox ist der neue Trend aus dem Silicon Valley. Den Alltag entschleunigen und sich selbst erden. Das ist, worum es jetzt geht. Die neuen Ziele im Technologiezeitalter. Ob es was bringt? Erfahrt ihr hier!

Sie ist doch irgendwie verrückt, diese digitale Welt. Unser ganzes Leben ist mehr oder weniger abhängig von einem kleinen Gerät. Es sagt uns, wann das 6-Minuten-Ei fertig ist. Zeigt uns potenzielle Partner. Erinnert uns an den Geburtstag der Mama.

Das Smartphone weckt, erinnert und informiert uns. Wenn wir ein Problem haben, finden Siri und Co die Lösung. Es spornt uns an schneller zu rennen. Schickt uns ein Taxi. Und die neusten Trends. Immer. Sofort. Mit einem Wisch, Tipp, Klick. Ok, Google. Hallo, Siri.

Digitale Abhängigkeit? Ich doch nicht!

Die ganze Welt – in einem kleinen Gerät

Ein bisschen ist unser Smartphone wie ein Butler. Es managed unser Leben komplett. Macht es leicht. Im wahrsten Sinne. Unter 200 g ist normales Fliegengewicht. Und das Navi, der Wecker und die Kamera sind inklusive.

Zufriedenheit im Leben

Ebenso der Fitnesstrainer, der Kochexperte, Haushaltstipps von Muttis und das Schlaflabor. Je nach Gusto auch die Weisheiten des Dalai Lama, die Urlaubsfotos von Kim K. und ein Radiosender aus Südamerika.

Wir können uns mit der Welt vernetzen. Sind mitten drin, statt nur dabei. Können Ideen teilen, Rat einholen, am Leben anderer teilhaben. Das ist aufregend, interessant und irgendwie berauschend.

Höher, schneller, weiter

Es gibt keinen Stillstand. Es gibt immer mehr. Mehr Informationen, mehr Trends, mehr Lösungen. Ständig checken wir unsere Mails, Whatsapp, Instagram. Wir sind up-to-date. Vielleicht sogar ein bisschen süchtig. Nach neuem Input und latenter Reizüberflutung.

Gleichzeitig erweist uns das Smartphone einen riesigen Dienst. Es übernimmt Verantwortung, wenn wir zu spät kommen („Handy hat nicht geklingelt“). Wenn wir abgelenkt sind („Handy hat geklingelt“). Oder etwas verpasst haben („Handy war lautlos“).

Immer erreichbar sein. Das ist doch irgendwie Teil des Ganzen. Ehrlich gesagt, brauchen wir es auch. Wer erinnert uns sonst an unsere Termine. Oder hat hier jemand noch Geburtstage, Telefonnummern oder Adressen im Kopf?

Folgen ständiger Erreichbarkeit

Doch was macht dieser Lebensstil eigentlich mit uns? Rein körperlich betrachtet nicht viel. Abgesehen davon, dass wir eine (ich bitte vielmals um Entschuldigung) scheiß Körperhaltung einnehmen. Aber hey, unser Daumen wird beweglicher. Kein Scherz! 🙂

Unser Gehirn findet die ganze Sache so lala. Denn, wenn es tutet, leuchtet, klingelt, vibriert oder blinkt, gehen unsere Alarmglocken an. Je lauter und unerwarteter, desto schlimmer.

Jedes Mal, wenn also die Oma anruft, Trump ein Dekret unterzeichnet oder der Chef eine Mail sendet, reagiert unsere Amygdala (unser Furchtzentrum) und schüttet Stresshormone aus.

Viele haben ihr Handy tagsüber neben sich liegen. Das führt dazu, dass wir gern mal nebenbei Mails, News, Posts checken. Und auch, dass wir ständig aus unseren Gedanken gerissen werden, wenn es sich von selbst meldet. Unserer Produktivität tut das nicht gut.

Digital Detox – ein Selbstversuch

Eigentlich sprechen die Folgen schon genug dafür. Sich mal nicht ablenken lassen. Ein bisschen den Stress zu reduzieren. Eine Zeit offline zu verbringen. Entschleunigen. Entspannen. Doch mein Auslöser war ein anderer …

Zeit tracken: die bittere und die gefühlte Wahrheit

Jetzt ist das so eine Sache. Mit der Wahrheit. Der gefühlten und der echten. Weil, mal ganz ehrlich. So viel sind wir gar nicht am Handy. Ja, gut. Wir haben es oft neben uns liegen. Und vielleicht ist die Facebook-App auch überflüssig. Aber so schlimm kann’s ja nicht sein.

Das dachte ich auch. Und habe 2 Monate lang meine Handyaktivitäten getrackt. Das Ergebnis ist aus der Kategorie: „heul leise“. Ein bisschen peinlich. Und extrem erschreckend. Auf jeden Fall hat es mich zum Umdenken angeregt.

Die britische Agentur Tecmark will herausgefunden haben, dass der durchschnittliche Smartphonenutzer 1.500 Mal pro Woche das Telefon in die Hand nimmt. Na Mensch, da liege ich mit 294 Malen wesentlich unterm Schnitt.

Ich habe es zwar seltener in die Hand genommen, nutze es aber länger. Der Durchschnittsuser verbringt 3 Stunden 16 Minuten. Meine App verrät mir, dass ich (oh Gott, das ist unangenehm) 3 Stunden 37 Minuten täglich davor verbringe. Das sind über 25 Stunden pro Woche!

Doch das allerschlimmste daran: ich habe keinen Schimmer, was ich mache. Klar. Telefonieren, bei Whatsapp schreiben, Yoga Videos auf Instagram suchten. Und sonst? Immerhin verbringe ich laut App 25% meines Lebens damit. Womit auch immer.

Auf bald, digitale Welt. Ich bin dann mal offline

Über 25 Stunden! Das hat den Stein endgültig ins Rollen gebracht. Ich wollte offline sein. Meine Zeit sinnvoll investieren. Herausfinden, weshalb ich zum digitalen Zombie mutiert bin. Und wie ich zukünftig etwas ändern kann.

Natürlich kann man so ein fancy „Digital Detox“ Camp besuchen. Oder in eines der Hotels fahren, die kompletten Technologie Verzicht anbieten. Doch digitale Enthaltsamkeit bekommt man auch anders. Einfacher und billiger.

Die Lösung: So simpel wie genial. Handy ausschalten. Nicht in den Flugzeugmodus. Sondern richtig aus. Und dann weit weg legen. Irgendwohin, wo man es nicht sieht. In den Wäschekorb, zwischen die Turnschuhe. Kleines Memo: Ort gut merken!

Vorbereitungen für Digital Detox (light)

Das Fasten für den Geist ist vergleichsweise relativ arm in der Vorbereitung. Immerhin muss man hierfür nicht extra den Darm entleeren und spezielle Tees kaufen. Oder sich tagelang knechten.

Ich schickte eine kurze Info an meine Familie. Der Whatsapp Status wurde von schnulzigen Liebeserklärungen an das Leben abgelöst. „Bin dann mal offline.“ Sollte reichen. Liest bestimmt eh keiner. Auch egal.

Da ich in meiner Digital Detox Zeit arbeiten musste, brauchte ich dennoch meinen Laptop. Checkt dafür keine Mails, kein Facebook und keine News. Es gab nur WordPress und mich. Ein bisschen Romantik am Arbeitsplatz darf auch sein.

Digital Detox – Tag 1

Der erste Morgen

Das Handy wurde durch einen altmodischen Wecker ersetzt. Eine Art Vorahnung auf die Hölle. Ultra laut und ohne Snooze Taste. Wobei snoozen will eh keiner mehr. Das erste Klingeln genügt und man steht im Bett. Und vermutlich alle anderen aus der Straße auch.

Zeitumstellung Tipp, Tipps gegen Stress

Tatsächlich gilt der zweite Blick meinem Handy (nichts kommt über meine Kaffeemaschine!). Kurzes Erstaunen darüber, dass das Display schwarz bleibt. Unsicher setze ich mich auf mein Meditationskissen. Woher weiß ich denn wann 10 Minuten um sind?

Nach 10 Minuten (vielleicht waren es 2 oder 15) gebe ich auf. Mir fehlt die zeitliche Orientierung und das Vogelzwitschern meiner App. Und weil sich die Frage aufdrängt: Nein, ich habe keine Uhr. Ich habe ein Handy. Also eigentlich.

Unter der Dusche bleibt es still. Normalerweise singe ich ja gern. Aber so ohne Radio-App fehlt mir die Inspiration. Und das Übertönen meines Gesangs. Bin schon in der Hälfte der Zeit fertig. Wahnsinn, wie schnell das geht, wenn man sich nicht für Beyonce hält.

Der Nachmittag mit Digital Detox

Ich ertappe mich den halben Tag dabei, immer mal wieder nach meinem Handy zu suchen. Besonders schlimm ist es, wenn ich an meinem Laptop sitze und arbeite. Denn für gewöhnlich liegt mein Handy stumm daneben oder dahinter.

Mir wird endlich klar, warum einige Dinge so unendlich lange brauchen. Und mich beschleicht das bescheuerte Gefühl, dass mein Handy der Grund ist. Der Grund dafür, dass ich an manchen Tagen ultra frustriert ins Bett gehe, weil ich gefühlt nichts geschafft habe.

Einerseits fühle ich mich ein bisschen von der Rolle. Andererseits ist mein Digital Detox Versuch erstaunlich befreiend. Es ist jetzt 15 Uhr. Unter normalen Umständen hätte ich jetzt bereits 1 Stunde und 30 Minuten auf mein Display gestarrt.

Verabredungen ohne Smartphone

Das was früher so simpel war, wird heute eine logistische Meisterleistung. Wahrscheinlich oute ich mich jetzt als zwangsneurotisch. Doch tatsächlich ist folgendes Szenario bei einem Treffen mit meinen Mädels vollkommen normal:

„Hey, man die Bahn ist übertrieben voll. Irgendwer riecht streng.“ – „Verspäte mich.“ – „Ist schon jemand da?“ – „Wollen wir danach noch woanders hingehen?“ – „Toll, es regnet und ich habe keinen Schirm dabei.“ – „Bestellt schon mal für mich mit.“

Alles, jeder Gedanke, jede Situation wird kommentiert und in das Handy getippt. Dieses Mal nicht. Ich sitze still auf meinem Platz und lasse mich durch das Berliner Nachtleben schaukeln.

Natürlich habe ich vorher alles genau gecheckt und mir sämtliche Daten (Adresse, Wegbeschreibungen, Fahrzeiten) auf einen Spickzettel geschrieben. Eigentlich kenne ich den Weg. Aber man kann ja nie wissen. So ohne Google Maps. Und ohne Uhr.

Ich zuckel also raum-, zeit- und orientierungslos durch die Nacht. Wundere mich, wieso das früher so selbstverständlich war und heute so schwer fällt. Ich beobachte die Leute, statt Instagram zu checken. Sie texten, telefonieren oder hören Musik. Keiner schaut umher.

Fast alle sind in ihrer ganz eigenen Welt. In der bin ich normalerweise auch. Doch irgendwie finde ich das gerade echt surreal. Ich begnüge mich damit, dem Typen neben mir beim Tindern zuzuschauen. Auch eine interessante Erfahrung.

Digital Detox – Tag 2

Der zweite Morgen ohne Smartphone

24 Stunden ohne Handy. Zeit für mein erstes Zwischenfazit. Diese handyfreie Zeit lässt mich bislang gleichermaßen irritiert und entspannt zurück. Doch gestern Abend war es eine echte Herausforderung.

Ich habe unzählige Male panisch meine Tasche abgesucht. Weil ich immer wieder vergessen habe, dass das Telefon zwischen den Socken zu Hause liegt. Wie selbstverständlich dieses Smartphone für mich geworden ist, wird mir gerade schmerzlich bewusst.

Dennoch habe ich auf der Rückfahrt durch die Nacht zum ersten Mal ehrlich mein Handy vermisst. Nicht aus Gewohnheit. Sondern weil dieses kleine Gerät ein bisschen das Gefühl von Sicherheit vermittelt.

Das Gefühl, nicht allein zu sein. Sollte man sich zwischen all den zwielichtigen Gestalten verirren. Nicht, das etwas passiert wäre. Doch etwas unbehaglich fand ich die Situation auf dem Heimweg schon.

Der zweite Nachmittag ohne Handy

Heute fühlt es sich besser ohne Handy an. Ich stelle fest, dass ich schneller aus dem Bett komme. Und morgens bereits viel produktiver in den Tag starten kann. Außerdem habe ich aufgegeben ständig nach meinem Handy zu tasten.

Meine Produktivität ist viel besser geworden. Unfassbar, was das bisschen Digital Detox alles ausmachen kann. Ich finde sogar endlich die Zeit mal wieder in meinem Buch zu lesen, was seit einer Weile in der Ecke verwaist.

Ein zeitliches Gefühl fehlt mir immer noch. Aber irgendwie ist auch das befreiend. Nur beim Laufen gehen, tue ich mich ein wenig schwer. Es ist eh nicht wirklich meine Lieblingsdisziplin.

Doch ganz ohne die ermahnenden Worte meiner App oder jegliche Musik ist es ein bisschen langweilig und eintönig. Vermutlich bin ich sogar dreimal langsamer als gewöhnlich. Doch wer weiß das schon.

Der Abend ohne Smartphone

Es ist Sonntag, da geht nicht viel. Normalerweise surfe ich im Internet. Haue die Warenkörbe voll und schließe rechtzeitig vor dem finanziellen Ruin das Browser Fenster. Dieses Mal nicht.

Heute sitze ich auf dem Boden. Höre mir eine alte CD der Red Hot Chili Peppers an. Dabei puzzle ich 1000 Teile von Portofino zusammen. Träume ein bisschen vor mich hin. Und bin vollkommen entspannt.

Ich komme sogar rechtzeitig ins Bett. Das verrät mir zumindest der Steinzeitwecker. Ob der zukünftig weichen muss, wird sich zeigen. Fest steht hingegen, dass das Handy aus dem Schlafzimmer verbannt wird.

Mein Fazit:

Es ist schon ein wenig seltsam. Sich selbst vor Augen zu führen, wie oft und in welchen Situationen man unbewusst zum Handy greift. Während meiner kurzen Digital Detox Phase habe ich verschiedenes für mich entdeckt.

Es ist nicht wichtig jederzeit und immer erreichbar zu sein. Oder jeden seiner Gedanken mitzuteilen. Doch es ist schön zu wissen, dass man die Möglichkeit hat, sich zu melden oder mit jemandem zu sprechen, wenn es die Situation erfordert.

Die Gespräche und die Umwelt werden irgendwie intensiver, wenn man sich ausschließlich darauf fokussiert. Dabei ist es unheimlich entspannend. Denn man schaltet nicht nur das Handy ab. Sondern auch irgendwie die permanente Alarmbereitschaft.

Ich will zukünftig bewusster werden im Umgang mit meinem Telefon. Es wirklich nur zur Hand nehmen, wenn ich es brauche. Und nicht, weil ich das Gefühle habe irgendetwas zu verpassen. Das ist nämlich viel seltener der Fall, als wir annehmen.