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Höhenangst? Das wäre doch gelacht, wenn mir dadurch die Wanderung durch die Kitzlochklamm entgehen würde. Auf 30 Metern Höhe stelle ich mich meiner Angst. Ich würde es sofort wieder machen!

Eines vorweg: Ich habe extreme Höhenangst. Die macht sich schon bei kleinen Brücken, angeblich wunderschönen Aussichtsplattformen und – vor allem – Glasliften bemerkbar.

Aber ich wollte das Abenteuer dennoch wagen und durch eine Klamm wandern. Okay, anfangs wusste ich noch nicht so ganz genau, dass ich dabei mit extremen Höhen und langen Brücken zu kämpfen habe. Aber für euch hab ich mich meiner größten Angst gestellt!

Das brauchst du für dieses Wander-Abenteuer:

  • Rucksack mit Jause 🙂
  • Wasser, Müsliriegel
  • Im Herbst: Eine gute Jacke und im Sommer einen Pulli
  • Gute Schuhe
  • Unbedingt eine gute Kamera
  • Einen Freund oder eine Freundin
  • Wenn du einen Hund hast: Deinen Hund 🙂

Für wen ist dieses Abenteuer geeignet?

Für alle, die mal abschalten möchten und eine volle Ladung Natur genießen wollen. Und auch für Leute mit Höhenangst. Ich hab es auch überstanden und würde es sofort wieder machen 🙂

Auf zur angeblich schönsten Klamm in Österreich

Bei einem spontanen Kurztrip ins Salzburger Land entschieden wir uns, die angeblich schönste Klamm Österreichs zu besichtigen: Die Kitzlochklamm. Also Rucksack packen mit überlebensnotwendigen Dingen wie Regenjacke, Getränke und natürlich die Kamera. Dann gings ab zur Klamm. Die liegt im wunderschönen Rauristal bei Taxenbach. Hier schießt die Rauriser Ache mit ziemlicher Wucht durch enge Schluchten und mündet dann in die Salzach.

Rauristal
Das Rauristal – einfach wunderschön!

Da wir die Tauern-Nationalpark Card haben, müssen wir nichts zahlen, sonst sind für Erwachsene 6,00 € fällig. Nach einem kleinen Kassahäuschen und einem Souvenir-Laden geht das Abenteuer los.

Mein erster Blick auf die Klamm verheißt nichts Gutes: Holzstege, soweit das Auge reicht. Und dass in ziemlich guter Höhe. Und in der sehe ich eine riesige, lange, hohe Brücke. Oje, das könnte lustig werden. Erstmal tief einatmen und die Angst runter schlucken. Ich nehme die Herausforderung an.

Wandersteig Kitzlochklamm
Der Anfang der Klamm mit seinen beeindruckenden Stegen

Warnhinweise und die Dauer der Wanderung

Eine Tour durch die Klamm sollte angeblich eine Stunde dauern. Gut, dass halte ich so lange aus. Mehrere Warnschilder und Verhaltensregeln spicken den Eingang. Wie zum Beispiel nicht in großen Gruppen auf die Stege gehen, nur einzeln und nicht nebeneinander und auch nicht über das Brückengeländer lehnen. Was zuerst etwas übertrieben klingt, wird sich jedoch bald als äußerst wichtig erweisen.

Ich setze den ersten Schritt auf den Holzsteg. Es knarrt leicht unter meinen Füßen. Meine Augen werden groß. Mein Herz rast schneller. „Jetzt bloß nicht klein beigeben“, sag ich mir selbst und setze einen Fuß vor den anderen.

Die Stege geben den Wanderern ein sicheres Gefühl, auch ich fühle mich recht sicher auf den schmalen Pfaden. Aber es ist schon recht anstrengend, vor allem die vielen Stufen und schmalen Wendestellen. Aber die Anstrengung lohnt sich – die Schlucht ist stellenweise wirklich eng und meterhohe Gesteinswände lassen uns winzig erscheinen. Unter uns ergießt sich die Rauriser Ache und wir sehen wunderschöne, türkise Buchten.

Kitzlochklamm See

Wir erreichen eine Anhöhe, die mich ein wenig schaudern lässt. Hier geht es meterweit und ziemlich steil hinauf. Ich kämpfe mich durch und nach wenigen Minuten spüre ich, dass sich das viele Treppensteigen positiv auf meinen Po auswirken wird. Jippee!

Von seltsamen Geräuschen und lebensmüden Kletterern

Aussicht auf den Wanderweg in der KitzlochklammFast oben höre ich eigenartige Geräusche, klingt so ähnlich wie klapperndes Metall. Als ich die Wände mit meinen Blicken durchsuche, sehe ich einen – für mich – lebensmüden Kletterer, der in unlaublicher Höhe die Klamm auf eine andere Art als wir erleben. In der Kitzlochklamm gibt es einen abenteuerlichen Höhenklettersteig, den geübte Kletterer erklimmen können. Würde ich ja auch gerne, aber ich überlasse das dann doch unserer Nina.

Auf der Anhöhe angekommen, durchqueren wir einige Höhlen und Stollen. Extrem schön und sehenswert ist auch die Einsidelei. Hier hat bis vor kurzen ein Hirte allein mit seinen Ziegen gewohnt. Ich kann mir das kaum vorstellen, wie man hier leben kann, so abseits und auf engem Platz. Aber er hat es anscheinend sehr genossen.

Am Ende der Wanderung noch eine große Herausforderung für mich: Die Überquerung der riesigen Brücke. Wagemutig setze ich einen Fuß vor den anderen. Die Knie werden weich, das Herz schlägt ein wenig schneller und die Fingerspitzen werden kalt. Ob ich den Blick nach unten wirklich wagen soll? Ja, aber hallo! Natürlich. Das wäre doch gelacht! Ich schließe die Augen, halte mich an der Brücke fest, atme tief ein und öffne die Augen dann ganz langsam.

Die Aussicht ist unbezahlbar! Ich bin mächtig stolz und voller Übermut, dass ich mich dazu entschieden habe über die Brücke zu gehen. Sogar ein Foto lasse ich von mir machen:

Kitzlochklamm

Das Unglück in der Kitzlochklamm

Nach der Brücke befindet sich eine kleine Gedenkstätte. Als ich erfuhr, wozu diese errichtet wurde, bekomme ich weiche Knie. Mein Übermut ist schlagartig verschwunden und die Warnungen, die am Eingang der Klamm geschrieben standen, machen plötzlich Sinn.

1947 gab es hier ein schreckliches Unglück. Eine Schulgruppe, bestehend aus 30 Schülerinnen, begab sich auf einen Ausflug in diese Klamm. Auf einem Steg wollte die Lehrerin ein Gruppenfoto machen und die Schülerinnen stellten sich zusammen auf, um für das Bild zu posieren.

Unter dieser Last brach der Steg zusammen und riss alle Kinder mit in die Tiefe. 8 Schülerinnen verloren dabei ihr Leben, der Rest konnte teils schwer verletzt geborgen werden. Nach diesem Unglück wurden die Stege mit Stahlträgern erneuert, um für mehr Sicherheit zu sorgen.

Ich finde diese Geschichte sehr schlimm, nichts desto trotz fühle ich mich auf den Stegen sehr sicher. Und das heißt was! Nach der Gedenkstätte machen wir uns auf den Rückweg, der deutlich kürzer und weniger spektakulär als der Hinweg war.

Das Fazit zum Abenteuer Kitzlochklamm

Für mich war dieser Ausflug in die Klamm extrem sehenswert. Wir waren im Herbst dort. Der Wasserstand der Rauriser Ache war ziemlich niedrig, daher sahen auch die Wasserfälle wenig imposant aus. Im Frühling soll die Klamm noch schöner sein, da hier das Schmelzwasser mehr Wassermassen mit sich bringt und die Ache türkis leuchtend in die Salzach fließt.

Daumen hoch für alle, die auf Natur stehen und sich ihrer Höhenangst stellen wollen. Wenn ich das schaffe, dann schafft ihr das auch! 🙂